Du stehst in der Tür zwischen Sommer und Winter und spürst, wie sich die Luft neu sortiert morgens frisch, mittags warm, der Abend verlangt nach Kaminfeuer oder Holzkohle, Apfelkuchen und Wolldecken. Mabon ist die Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, gefeiert zwischen dem 20. und dem 24. September, das zweite der drei Erntefeste im Keltischen Jahresrad (Lughnasadh, Mabon, Samhain) und der ehrliche Moment, in dem du auf deine Ernte schaust, nicht nur im Garten, sondern in deinem Leben. Tag und Nacht sind gleich lang, die Waage schwingt in der Mitte.
Der Apfel ist das inoffizielle Wappen von Mabon quer geschnitten zeigt sein Kern das Pentagramm. Mabon ist dein Reminder für Balance, Schutz und den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen. Kastanien poltern von den Bäumen, Holunderbeeren glänzen tiefviolett, Pilze schieben sich wie kleine Plädoyers für Wandel aus der Erde. Du packst die Sommersachen zurück in die Kiste, holst einen Schal raus, räumst deinen Altar auf und nimmst dir Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was hat getragen, was hat gezogen, was darf bleiben, was legst du in Würde ab?
Kleiner Realitätscheck für die Geschichts-Nerds: Der Name Mabon als Festbegriff ist neuheidnisch und kam erst im 20. Jahrhundert in Mode, aber die Zeit-Qualität, die wir feiern, ist uralt. Du entscheidest, ob du mythologisch mit Mabon ap Modron arbeitest oder dich pur an Natur, Rhythmus und persönlicher Ethik orientierst. Beides kann kraftvoll sein, solange du präsent bleibst.
Mabon ap Modron – Der Inner Child Seer
Mabon ap Modron, der geraubte Sohn, trägt den Code von Weissagung und innerem Wissen in sich. Er ist das göttliche Kind, das im Dunkeln verschwindet, nur um später mit neuer Klarheit zurückzukehren, genau wie wir in der Zeit der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche nach innen gezogen werden. In den Mythen taucht er als Jäger und Seher auf, als einer, der nicht nur durch Wälder streift, sondern auch durch die Räume zwischen den Welten.
Wenn du mit Mabon arbeitest, kannst du ihn als Archetyp des „Inner Child Seers“ anrufen: das unschuldige, aber zugleich überzeitlich weise Selbst in dir, das Dinge wahrnimmt, die dein Verstand übersieht. Automatisches Schreiben, Traumtagebücher, Orakel-Karten oder das Lauschen auf leise Stimmen im Wind, all das kann als Gespräch mit Mabons Energie verstanden werden. Er hilft dir, Worte aus dem Schatten ins Licht zu bringen, Nachrichten aus deinem Unterbewusstsein oder aus der Geisterwelt zu empfangen und den Mut zu finden, sie auch auszusprechen. Mit ihm trittst du in einen Dialog zwischen den Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und dem, was dich aus dem Unsichtbaren ruft.
Spirit und Fokus von Mabon
Mabon ist Balance aber keine sterile Gleichung, sondern lebendige Ausrichtung. Du prüfst, wo du zu viel gibst und zu wenig empfängst, wo du dich verbeißt und wo du zu früh loslässt. Du klärst Routinen, priorisierst radikal, sagst Ja zu dem, was dich nährt, und Nein zu dem, was nur an deinem Nervenkostüm zerrt. Dankbarkeit spielt dabei eine große Rolle.
Altar-Ideen für Mabon
Leg einen Apfel in die Mitte, daneben Eicheln, Bucheckern oder Kastanien, je nach dem welche Bäume in deiner Umgebung präsent sind. Dazu vielleicht eine weiße und eine schwarze Kerze für Ausgleich und ein paar rote Beeren von Eberesche oder vom Weißdorn.
Kräuter und Pflanzen für Mabon-Energie
- Rosmarin für Fokus und Klarheit.
- Schafgarbe für Grenzen, die halten, auch wenn der Wind dreht.
- Wacholderbeeren für Reinigung und Wachsamkeit am Übergang.
- Lorbeer für Vision und Entscheidungen, die wirklich dir gehören.
- Kamille für Milde, wenn der innere Kritiker zu laut wird.
Steine für Mabon
- Hämatit für Erdung, Konzentration und das Nein, das du brauchst.
- Citrin für Zuversicht, Kreativität und sonnige Möglichkeiten.
- Rhodonit für Herz-Balance und mutige Reparaturarbeiten.
- Ametrin für die Brücke zwischen Kopf-Klarheit und Bauch-Intuition.
- Bernstein für Wärme, Schutz und goldenes Licht im Rücken.
Ätherische Öle
- Zeder oder Sandelholz für Erdung, Präsenz und Tiefe.
- Orange oder Bergamotte für freundliche Helligkeit, wenn es draußen grau ist.
- Myrrhe oder Weihrauch für Übergangsarbeit und rituelle Gravität.
- Wacholder oder Kiefer für Reinigung.
Mabon-Ritual: Erfolgszauber
Ziel: Erfolg anziehen, ohne dich in Hustle-Modus zu verlieren.
Du brauchst: Heißes Wasser, Tasse, frische Zitrone, frischen Ingwer oder alternativ frische Melisse plus Ingwer. Journal und Stift, eine weiße und eine schwarze Kerze oder Band, optional Hämatit oder Citrin.
Zünde die Kerzen an und koche einen Zitronen-Ingwer-Tee. Wenn du Melisse nutzt, überbrühe eine Handvoll Blätter, gib frisch geriebenen Ingwer dazu und lass fünf Minuten ziehen. Während der Tee zieht, schreib drei Bereiche auf, in denen du dir konkreten Erfolg wünschst. Definiere Erfolg in eigenen Worten: Wie sieht er aus, wie fühlt er sich an, wie zeigt er sich im Alltag. Nimm einen Schluck, halte den Stein in der Hand und sprich:
Mabon-Magie, komm zu mir,
klar wie Licht und stark wie wir.
Was ich säe, trage ich ein,
Erfolg in Wahrheit, Erfolg ist mein.
Stell dir vor, wie dein Körper die Energie dieses Erfolgs speichert. Lösche die Kerzen, wenn es sich rund anfühlt, und notiere eine einzige nächste Handlung pro Bereich – klein, machbar, heute beginnbar.
Mabon-Balance-Apfelritual
Ziel: Innere Ausrichtung, wenn du zwischen zu viel und zu wenig pendelst.
Du brauchst: Einen schönen Apfel, ein scharfes Messer, eine Kerze.
Reinige kurz den Raum, erde dich, zünde beide Kerzen an. Schneide den Apfel quer, sodass das Pentagramm sichtbar wird. Halte jede Hälfte in einer Hand und sprich:
Im Stern des Apfels ruht mein Maß,
Erde, Luft, Feuer, Wasser, Geist
im Einklang, klar und ohne Fraß.
Ich wähle, was mich wirklich nährt,
Balance, die mich stark vermehrt.
Schäle die beiden Hälften des Apfels, lege die Apfelkerne beiseite. Dann iss den Apfel achtsam und vergrabe die Schalen in der Erde als Zeichen für Kreislauf und Rückgabe. Trockne die Kerne und nutze sie später für kleine Zauber rund um Treue zu dir selbst, Weisheit und liebevolle Disziplin.
Mabon-Rezept: Apfel-Zimt-Kuchen
Zutaten:
- 225 g Mehl
- 1 TL Backpulver
- 0,5 TL Zimt
- 125 g Butter plus 25 g geschmolzene Butter
- 125 g brauner Zucker
- 300 g Äpfel geschält und entkernt
- 2 TL Zitronenschale
- 2 Eier
- 2 TL brauner Rohrzucker für oben drauf
Zubereitung:
Heize den Backofen auf 180 Grad vor und fette eine 20-cm-Form ein. Schneide die Äpfel in kleine Würfel, aber hebe ein paar dünne Scheiben auf. Die kommen oben auf den Kuchen. Gib das Mehl, Zimt und das Backpulver in eine Schüssel und gib die weiche Butter dazu. Jetzt füge den Zucker, die Apfelwürfel und die Zitronenschale dazu. Rühre die Eier ein, vermische alles gut und gib es in den Form. Dann lege die Apfelscheiben darauf und betreue diese mit dem Rohrzucker. Nun kannst du den Kuchen ca. 30 bis 40 Minuten backen, bis er braun ist.
Mabon-Tarotlegung
- 1. Karte: Was darf geerntet werden? Das sind deine Erträge, innen wie außen.
- 2. Karte: Wie lade ich Balance ein? Das kannst du tun.
- 3. Karte: Wo fehlt Ausgleich? Das ist der Bereich, in dem du kippst.
- 4. Karte: Welche Gabe wächst derzeit im Dunkeln? Eine Ressource, die gerade in der Ruhe entsteht.
- 5. Karte: Wie kann ich weiter wachsen? Ein nächster Entwicklungs-Impuls, der dich trägt.
Lege Tarot-Karte „Die Mäßigkeit“ offen in die Mitte, als Fixstern deiner Legung. Ziehe links Karte 1 und 3, rechts Karte 2 und 5, und lege Karte 4 über „Die Mäßigkeit“. Notiere zu jeder Karte eine einzige Aktion, die du in den nächsten sieben Tagen umsetzt. Denn Magie, die keinen Alltag findet, verdampft.
Die Karte Mäßigkeit (Temperance) gehört zu den Großen Arkana und ist im Tarot eine von den richtig tiefen Lehrerinnen. Bildlich siehst du oft einen Engel oder eine androgyne Figur, die Wasser zwischen zwei Gefäßen hin- und hergießt. Sie ist ein Symbol für Ausgleich, Integration und das Mischen von Gegensätzen. Es geht hier nicht um langweilige Mittelmäßigkeit, sondern um die alchemistische Kunst, aus Feuer und Wasser etwas Neues zu erschaffen.
Spirituell steht die Mäßigkeit für innere Balance, Heilung, Anpassung und Harmonie zwischen Gegensätzen wie Körper und Geist, Licht und Schatten, Geben und Nehmen. Sie lädt dich ein, die Extreme in dir nicht zu bekämpfen, sondern miteinander ins Gespräch zu bringen. Du nimmst verschiedene Teile deiner Persönlichkeit, die scheinbar nicht zusammenpassen, und führst sie zu einem neuen Ganzen.
Als kleine Zusatzübung: Mach dir Meditationsmusik an und schau dir die Karte Mäßigkeit eine Weile an, schließe dann die Augen und stell dir die Karte vor deinem geistigen Auge vor. Was siehst du noch? Bewegt sich die Mäßigkeit vielleicht? Kommt etwas auf sie zugelaufen? Bleibe so lange in Stille, wie es für dich passt und notiere dir im Anschluss deine Eindrücke.
Gottheiten und Archetypen mit denen du zu Mabon arbeiten kannst
Mabon ap Modron, der Sohn der Mutter
Mabon ist das geraubte Kind, das in der Dunkelheit verschwindet und mit neuer Kraft zurückkehrt. Seine Geschichte trägt die Codes von Weissagung, Jagd und Wiedergeburt. Wenn du dich auf Mabons Energie einlässt, findest du Zugang zu deinem inneren Seher, zu Botschaften aus Träumen, automatischem Schreiben und der Stimme deines Unterbewusstseins. Er ist der Gott, der dich lehrt, dass Klarheit oft aus der Tiefe kommt.
Demeter und Persephone, die Unzertrennlichen
Demeter, die Erdmutter, steht für die Fülle der Ernte und den Schmerz des Loslassens. Persephone, ihre Tochter, verkörpert die Übergänge zwischen Licht und Unterwelt. Zusammen erzählen sie den Kreislauf von Werden und Vergehen, Liebe und Trennung, Rückkehr und Neubeginn. Mit ihnen arbeitest du, wenn du lernen willst, das Leben in Phasen zu verstehen und die Dunkelheit nicht als Ende, sondern als Übergang.
Minerva, die klare Stimme
Die römische Göttin der Weisheit zeigt uns Analyse und Strategie. Sie ist die, die dich erinnert, Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch, sondern auch mit scharfem Verstand zu treffen. Ihre Energie eignet sich, wenn du Ordnung schaffen willst, wenn dein Fokus wegrutscht oder wenn du dir Antworten in Form von klaren, strukturierten Botschaften wünschst. Sie ist die Kraft, die deine Intuition erdet, ohne sie kleinzureden. Wenn du auf deine persönliche Ernte schaust und siehst, was hast du erreicht, was trägt dich, was war vergeblich. Dann brauchst du Minerva: Sie verkörpert kluge Analyse, Unterscheidungskraft und die Fähigkeit, aus Erfahrung Wissen zu machen.
Der Grüne Mann, der Atem des Waldes
Der Grüne Mann ist kein Gott im klassischen Pantheon, sondern ein archaischer Archetyp: Gesicht im Laub, Atem in den Zweigen, Puls in den Wurzeln. Er ist das wilde, ungezähmte Wachstum, das dich durchdringt. Mit ihm arbeitest du, wenn du Naturmagie spüren willst, wenn du die rohe Kraft der Erde suchst, die nicht zaghaft, sondern überwältigend ist. Er erinnert dich daran, dass du Teil des Waldes bist, nicht getrennt von ihm.
Frau Holle – Hüterin der Schwelle
Frau Holle ist mehr als das Märchen mit den fallenden Schneeflocken. In ihr vereinen sich Fruchtbarkeit, Tod und Wiedergeburt. Sie hütet die Seelen der Verstorbenen, segnet die Felder und prüft die Menschen wie Goldmarie und Pechmarie, ihr Urteil ist ehrlich und unerbittlich. Sie ist eng mit dem Holunder verbunden, dessen Beeren gerade reif sind. Ihre Energie passt zu Mabon, weil sie dich auffordert, Ordnung zu schaffen, Dankbarkeit zu leben und loszulassen, was nicht mehr trägt. Mit Frau Holle betrittst du die Schwelle zwischen der warmen Jahreszeit und dem Winter, zwischen deinem gelebten Jahr und der inneren Stille, die jetzt kommt.
Journaling-Impulse für deine persönliche Ernte
- Welche Entscheidung aus diesem Jahr war mutig, auch wenn sie unbequem war, und was hat sie geerntet.
- Wo habe ich Balance mit Symmetrie verwechselt, also alles gleich gemacht, statt mich stimmig ausgerichtet.
- Was gebe ich zurück an die Welt, an meine Ahnen, an meine Community, und in welcher Form fühlt es sich integer an.
- Welche Gewohnheit trage ich aus Loyalität zu einem alten Ich, das ich liebevoll verabschieden darf.
- Welche drei Routinen nähren mich in der dunkleren Jahreshälfte wirklich – nicht theoretisch, sondern praktisch.
Erdender Raumduft
Während du dich auf die kältere Jahreszeit vorbereitest, ist es schlau, dich mit deiner inneren Stärke zu verbinden. Dieses Rezept ergibt ein erdiges, aromatisches Spray, das dich erdet und beruhigt, während es gleichzeitig deinen Raum reinigt.
Du brauchst:
- einen Zweig Rosmarin
- eine Prise Meersalz
- Ätherische Öle: Sandelholz oder Zeder (erdend), Zimt oder Zitronengras (wachmachend), Salbei oder Kiefer (beruhigend und reinigend)
- Zaubernuss (Witch Hazel, in Apotheken erhältlich)
- eine kleine Sprühflasche
- ein Etikett
- Gib Salz und Rosmarin in die Flasche.
- Füge ein paar Tropfen deiner gewählten ätherischen Öle hinzu.
- Fülle den Rest der Flasche mit Zaubernuss auf, verschließe sie und schüttle, bis sich alles gut vermischt hat.
- Beschrifte die Flasche mit Datum und Zutaten.
Witch Hazel, auf Deutsch Zaubernuss, ist ein pflanzliches Hydrolat, also ein destilliertes Pflanzenwasser, das aus den Blättern und Zweigen des Zaubernuss-Strauches gewonnen wird. Es wirkt leicht adstringierend (zieht Gewebe zusammen), hat einen frischen, klaren Duft und wird oft als Grundlage für Gesichtswasser oder Heilmittel bei Hautreizungen verwendet. In diesem Rezept dient Witch Hazel als Trägermedium
Mabon – Dein vorzeitiger Jahresrückblick in Balance
An Mabon erkennst an, was gewachsen ist, du gibst zurück, du ordnest die Kräfte neu. Du brauchst weder Perfektion noch Esoterik-Nebelschwaden, du brauchst Präsenz, ein paar gute Pflanzenfreunde, klare Worte und Routinen, die auch an grauen Tagen halten. Mach deinen Altar schön, back den Kuchen, zieh die Karten, setz eine Grenze, sag Danke, sag Nein, sag Ja.







