Es gibt diesen einen Moment, den du kennst. Du willst in einer Runde was sagen, der Satz liegt schon auf der Zunge, und im letzten Augenblick schluckst du ihn runter, lächelst und lässt jemand anderen reden. Und hinterher denkst du dir jedes Mal: Hättste mal was gesagt.
Am 22. Juli wandert die Sonne in den Löwen und bleibt da bis zum 22. August. Und der Löwe ist das einzige Zeichen im ganzen Tierkreis, das von der Sonne selbst regiert wird. Kein Planet, der mal näher dran ist und mal weiter weg. Die Sonne. Der Mittelpunkt, um den sich der ganze Laden dreht.
Die Sonne macht keinen auf bescheiden
Jetzt guck mal, was die Sonne den ganzen Tag so treibt. Ihr ist es scheißegal, ob der halbe Planet sie zu grell findet. Sie strahlt einfach. Und der Rest vom Sonnensystem dreht brav seine Kreise drum herum.
Du machst vielleicht gerade das Gegenteil, weil du dir über die Jahre antrainiert hast, wenig Platz zu brauchen, damit andere es gemütlich haben. Bloß nicht anecken, bloß keine große Meinung. Lieber einen Schritt zurück als einen zu weit nach vorn. Das hatte seinen Grund, denn irgendwer hatte dir mal beigebracht, dass du besser ankommst, wenn du dich zusammenfaltest. Also hast du’s gemacht, jahrelang. Hat auch geklappt, oder? Du bist überall durchgekommen, als die kleine, angenehme Version von dir, die keinem wehtut.
Du hältst seit Jahren die Luft an
Die Löwenzeit ist der Teil vom Jahr, in dem dieses Kleinmachen so richtig auffliegt. Die Energie zieht in die andere Richtung. Alles um dich rum will nach draußen und größer werden, und du sitzt da und hältst die Luft an, damit bloß keiner guckt. Jeden Tag aufs neue packst du deinen kleinen Unsichtbarkeitsumhang aus und versteckst dich darunter. Klar ist lässig, nicht auffallen hat auch seine Vorteile.
Zähl einfach mal einen Tag lang mit, wie oft du den Mund wieder zumachst, obwohl was rauswollte. Beim gleichen Typ Mensch, in der gleichen Sorte Situation. Da liegt deine Baustelle. Und da fängt Löwenzeit für dich an.

Voll da, ganz ohne Rampensau
Aber was du denkst ist falsch, denn du meinst, sichtbar werden heißt Rampensau sein zu müssen, heißt extra dick auftragen. Nope. Der Löwe in seiner besten Form macht keinen auf mehr, als er ist. Er ist einfach voll da. Das Ego brüllt, damit überhaupt einer hinguckt. Deine Essenz muss gar nichts. Sie sitzt im Raum und füllt ihn, ohne einen Ton.
Du musst dir also nichts Neues angewöhnen. Du musst nur aufhören, nicht du selbst sein zu wollen und deine Bedürfnisse hinten anzustellen.
Mach den Weg auf: dein Türöffner-Zauber
Und wenn du mehr willst als nur hingucken, dann mach den Weg auf. Das ist alte Spellcraft, ein Road Opener Spell. Die Idee ist so simpel wie stark: Du öffnest ganz real eine Tür und sagst der Welt damit, dass ab jetzt was reinkommen darf.
Du brauchst nur eine Kerze, am besten in Gold oder Orange, und deine Wohnungstür.
Zünd am Abend die Kerze in der Nähe der Tür an. Werd einen Moment still und sprich aus, welche Tür bei dir aufgehen soll. Eine richtige Tür, ein Gespräch zum Beispiel, in das du als du selbst reingehst. Oder die innere: die Erlaubnis, endlich gesehen zu werden. Dann geh hin und öffne deine Wohnungstür. Wirklich auf, nicht nur im Kopf. Stell dich einen Moment vor den Türrahmen, guck raus und sag deinen Satz so deutlich, dass du dich selbst hörst.
Der Weg ist frei, und ich gehe ihn.
Lass die Kerze danach noch ein Stück runterbrennen und bleib dabei, bis du sie ausmachst.
Drei Öle für deine Löwenzeit
Immer ein paar Tropfen in ein Basisöl geben, bevor was auf die Haut kommt und bei Zitrusölen aufpassen wegen der Sonne.
- Orange, süß. Sonne in der Flasche. Bringt dich in gute Laune und aus dem Kopf raus, wenn du mal wieder alles zerdenkst. Ein paar Tropfen in die Duftlampe, und der Raum riecht nach Sommer und Zuversicht.
- Weihrauch. Der Klassiker, wenn du dich groß und aufrecht fühlen willst, ohne dich aufzublasen. Riecht nach Tempel und Ernst, ist gut vorm Rausgehen, wenn du irgendwo auftauchst, wo du dich am liebsten verkriechen würdest.
- Zimt. Feuer pur. Macht wach und mutig. Bringt Wärme zurück, wenn dir alles zu blass geworden ist. Sparsam dosieren, das Zeug ist scharf auf der Haut. Ein Tropfen reicht.
Drei Steine für deine Löwenzeit
- Karneol. Der Mut-Stein, orange-rot und warm. Steck ihn ein, wenn du was sagen oder machen willst, wovor dir der Magen flau wird. Er sitzt gut im Solarplexus, genau da, wo dir die Angst sonst die Luft abdrückt.
- Tigerauge. Für Selbstwert und einen klaren Blick. Der Stein, der dich aufrecht bleiben lässt, wenn dich wer kleinreden will. Gute Wahl für die Hosentasche an einem Tag, an dem du dich behaupten musst.
- Sonnenstein. Der Name sagt’s. Er bringt Freude und Wärme zurück und erinnert dich dran, dass Strahlen dir erlaubt ist. Leg ihn ins Fenster, wo die Sonne draufkommt, oder nimm ihn mit, wenn du raus in die Sonne gehst.
Dein Löwen-Tarot-Spread
Drei Karten, gezogen an einem ruhigen Abend in der Löwenzeit. Wenn du magst, leg vorher die Kraft aus deinem Deck sichtbar dazu, das ist die Tarotkarte des Löwen. Dann zieh:
- Wo lasse ich bisher nur andere strahlen? Das ist die unangenehme erste Karte, die den Finger in die Wunde legt.
- Was in mir will endlich raus? Das, was du dir lange verkniffen hast, weil du dachtest, es stünde dir nicht zu.
- Mein nächster Schritt in die Sichtbarkeit. Der ist klein und konkret, etwas, das du diese Woche wirklich tun kannst.
Lass die drei Karten ein paar Tage liegen, wo du sie siehst. Sie arbeiten weiter, auch wenn du grad nicht hinguckst.
Zu diesem Road Opener gehört noch ein Türöffner-Öl, mit dem du die Kerze einreibst, damit die Sache richtig zieht. Das Rezept mit allen Zutaten findest du in meinem Löwe-Workbook.
Da drin nehme ich dich durch die ganze Löwezeit, vom ersten Tag bis zum Neumond Mitte August. Es gibt Rituale zum Lion’s Gate, zu Lammas und es geht auch ums Manifestieren.
Die Sonne steht jetzt für vier Wochen im Löwen. Vier Wochen, in denen es leichter ist als sonst, deinen Platz einzunehmen. Nimm sie mit oder lass sie liegen. Aber erzähl mir hinterher nicht, du hättest die Chance nie gehabt.
Photo by Szabolcs Antal on Unsplash, Maksym Kaharlytskyi on Unsplash
Titel by MARIOLA GROBELSKA on Unsplash









