Es heißt, im Oktober und während der Rauhnächte sei der Vorhang zwischen unserer Welt und der geistigen Welt besonders dünn. Die Vorstellung ist verlockend: eine Zeit, in der die Kommunikation mit den Ahnen, Geistern und anderen Wesen leichter fällt, als würde ein Schleier sich lichten und wir könnten klarer sehen, fühlen und hören. Aber ist das wirklich so?
Die Wahrheit ist vielleicht simpler – und gleichzeitig tiefer. Der Zugang zur geistigen Welt ist immer da. Die „Vorhänge“ sind nicht im Oktober dünner als im Mai oder zur Sommer-Sonnenwende. Sie sind das ganze Jahr über dünn, durchlässig und bereit, sich zu öffnen. Was sich aber verändert, sind wir.
Die Magie des Rhythmus: Warum der Herbst Ruhe bringt
Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger, ziehen wir uns automatisch mehr zurück. Unsere Vorfahren kannten diesen Rhythmus sehr gut. Nach einer langen, anstrengenden Erntezeit kehrte endlich Ruhe ein. Die Arbeit auf den Feldern war getan, die Natur begann, sich zurückzuziehen, und der Mensch folgte ihrem Beispiel. Doch nicht nur die Natur bestimmte das Tempo – auch das Tageslicht.
Im Herbst standen weniger Stunden Sonnenlicht zur Verfügung, um überhaupt zu arbeiten. Da es keinen Strom gab und Kerzen teuer waren, war das wärmende Feuer im Herd oder Kamin oft die einzige Lichtquelle. Denn die meisten Arbeiten waren in der Dunkelheit schlicht nicht möglich, und so kehrte im Herbst eine natürliche Pause ein. Es war eine Zeit, zu reflektieren, innezuhalten und zu lauschen. So war dies nun die Zeit, in der das Übernatürliche häufiger wahrgenommen wurde und das wurde von Generation zu Generation weiter gegeben.
Auch heute spüren wir diese Ruhe im Herbst. Wir müssen vielleicht nicht mehr mit den Händen im Acker stehen, aber unser moderner Alltag raubt uns oft jede Minute, die wir für uns selbst brauchen. Im Sommer sind wir draußen, voller Energie, ständig beschäftigt. Im Herbst aber ziehen wir uns zurück, eingewickelt in warme Decken und Kerzenlicht. Wir kommen zur Ruhe – und diese Ruhe erlaubt es uns, wieder zu hören, was schon die ganze Zeit da war.
Der Schleier ist immer dünn
Die Verbindung zur geistigen Welt ist ständig präsent. Du kannst jederzeit deine Ahnen um Rat fragen, mit deinen Spirit Guides kommunizieren oder die Zeichen des Universums erkennen. Die Energie ist immer da – genau wie die Luft, die du atmest. Das Problem ist, dass wir sie im Alltag oft nicht wahrnehmen. Unsere Gedanken sind laut, wir werden ständig abgelenkt, und selbst, wenn wir kurz innehalten, kreisen unsere Sorgen weiter. Der „Schleier“ ist also eigentlich mehr ein Vorhang aus unseren eigenen Gedanken, Sorgen und Verpflichtungen, der uns den Blick auf das Übersinnliche versperrt.
Warum der Herbst uns hilft, den Vorhang zu lüften
Der Herbst und die dunkleren Tage fordern uns geradezu auf, langsamer zu werden. Wir kuscheln uns mehr ein, verbringen Zeit mit Kerzenlicht und lassen unsere Gedanken schweifen. Diese Jahreszeit lädt uns ein, mehr Zeit im Inneren zu verbringen – sowohl physisch als auch seelisch. Und genau deshalb erleben wir in dieser Zeit eine intensivere Verbindung zur geistigen Welt.
Unsere Vorfahren nutzten diese Zeit bewusst für Rituale und Zeremonien, um Verbindung zu den Ahnen aufzunehmen, den Geistern der Natur zu danken und Botschaften zu empfangen. Sie taten das nicht, weil der Vorhang plötzlich dünner war, sondern weil sie mehr Zeit und Ruhe hatten, sich darauf zu fokussieren.
Ruhe ist der Schlüssel zur Verbindung
Das Geheimnis ist also nicht, dass sich die Welt um uns herum verändert – sondern dass wir uns verändern. Wir erlauben uns, langsamer zu werden, tiefer zu atmen und aufmerksamer zu sein. Die geistige Welt war die ganze Zeit da, doch im Trubel des Alltags übersehen wir sie oft. Im Herbst öffnen wir uns ihr wieder, weil wir endlich wieder lauschen können.
Wenn du also das Gefühl hast, dass die Verbindung zur geistigen Welt jetzt stärker ist, dann genieße es – aber vergiss nicht, dass du diese Verbindung das ganze Jahr über haben kannst. Schaffe dir Momente der Ruhe, wann immer du sie brauchst. Erlaube dir, den Lärm zu dämpfen, damit du die leisen, flüsternden Stimmen hören kannst. Es ist also nicht der Schleier zwischen den Welten, der dünner wird. Sondern nur der in deinem Kopf.
Lass dich nicht von der Vorstellung täuschen, dass der Zugang zur geistigen Welt nur zu bestimmten Zeiten möglich ist. Die Energie fließt immer, die Magie ist immer da, und die Verbindung ist immer zugänglich. Nutzt den Herbst, um das wieder zu entdecken, aber denkt daran: Die Türen stehen dir das ganze Jahr offen. Du musst nur bereit sein, sie zu sehen und durchzugehen.