Meine Seelenheimat? Die britischen Inseln. Ganz besonders Irland. Diese raue, magische Landschaft zieht mich immer wieder an. Auf meiner letzten Irland-Reise dachte ich mir aus purem Spaß: Warum nicht eine Göttin um ein Zeichen bitten? Also forderte ich das Universum heraus – sie sollte sich mir im Traum zeigen. Nicht subtil, nicht verklausuliert. Klare Sache. Ich wollte wissen, wer da mit mir arbeiten will.
Und dann kam sie. Oder eher: es. Eine dicke, fette Hummel, die mitten in meinem Traum auf mich zuflog – während ich in unserem Camper schlief. Das Absurde? Ich träumte, dass ich genau da liege, wo ich tatsächlich lag. Die Hummel landet auf mir – zack, ich wache im Traum auf. Eine Sekunde später – zack, ich wache in echt auf. Gänsehaut. Hummel? Biene? Wer zur Hölle schickt mir so eine Botschaft? Welche Göttin (oder Gott) hat da gerade an meine Tür geklopft?
Ich begann zu graben. Wer ist mit Bienen verbunden? Erst stolperte ich über Mellona, die römische Schutzgöttin der Bienen und der Imkerei. Passte schon mal. Ihr Name kommt von mel – lateinisch für Honig. Dann tauchte Re bzw. Ra, der ägyptische Sonnengott, auf. Angeblich entstanden Bienen aus seinen Tränen, und sie galten als heilige Boten der Götter. Ein starkes Bild, aber ich war mir nicht sicher.
Dann kam ich auf die keltische Göttin Brigid. Und dachte mir: Nee, komm. Brigitte? Echt jetzt? Der Name fühlte sich einfach nicht nach der Göttin an, die ich suchte. Aber irgendwas in mir sagte, dass ich weiterlesen sollte …
Bienen als Boten der Anderswelt
Bienen sind keine harmlosen kleinen Honigträger – in der keltischen Tradition sind sie heilige Boten zwischen den Welten. Sie schwirren frei umher, überqueren Grenzen, verschwinden ins Unbekannte und kehren doch immer nach Hause zurück. Dabei bringen sie Nachrichten aus der Anderswelt (Tír na nÓg), tragen das uralte Wissen der Götter und Ahnen in sich. Kein Wunder, dass sie als Orakelwesen verehrt wurden – wer ihre Bewegungen deuten konnte, glaubte, einen Blick in die Zukunft werfen zu können.
Die Schotten gingen noch weiter: Sie sahen in Bienen die Träger des druidischen Wissens. Ihre summende Sprache galt als Geheimcode einer uralten Weisheit, die nur Eingeweihte entschlüsseln konnten. In den Highlands hieß es sogar, dass Bienen beim Schlafen die Seele ihres Menschen verließen und durch die Lüfte schwebten. Ein flüchtiger Zwischenstopp in der Anderswelt – jede Nacht.
Und dann ist da noch Brigid – eine Göttin, die Bienen als heilig betrachtete. Ihre Bienenstöcke sollen mit einem mystischen Nektar gefüllt gewesen sein, geerntet in den Apfelgärten der Anderswelt. Ihre Legenden erzählen von Flüssen aus purem Met, die bis tief in die verborgenen Reiche flossen.
Brigid – die Göttin der Dreifaltigkeit
Je mehr ich über Brigid las, desto mehr war ich sicher, dass sie es gewesen sein musste, die mir im Traum erschienen war. Was mich letztlich besonders beeindruckte, war die Tatsache, dass Brigid all die Dinge tat, die ich auch liebte und die verschiedener nicht sein könnten. Multi-Passionate eben.
Brigid, die Göttin des Feuers und der Schmiedekunst
Brigid kam nicht leise in diese Welt. Sie wurde geboren, als die ersten Sonnenstrahlen den Horizont durchbrachen – und sie tat das, was eine Göttin des Feuers eben tut: Sie stieg auf, hoch in den Himmel, der Sonne entgegen. Nicht zaghaft, nicht schüchtern. Ihre Strahlen legten sich wie eine glühende Krone um ihren Kopf, das Licht verdichtete sich zu einem flammenden Turm um ihr Zuhause. Keine Schatten, keine Zweifel – nur reine Kraft. Von diesem Moment an war sie mit der Sonne verbunden, mit Bewusstsein, Erleuchtung und der Wärme, die das Leben zurückbringt. Jedes Jahr, wenn der Frühling den Winter herausfordert, wird ihr Fest gefeiert – ein leuchtender Reminder, dass Feuer niemals wirklich erlischt.
Aber Brigid war nicht nur Licht und Wärme – sie war auch Stahl und Schmiedefeuer. Sie stand in den Schlachten, sie kannte die Hitze der Klingen. Ihre Hände formten Metall, bis es sich ihrer Magie beugte. Und ihre Kunst war mehr als nur Waffenbau – sie erschuf eine Pfeife, die ihre Träger an einen anderen Ort transportieren konnte. Kein einfaches Spielzeug, sondern ein Werkzeug für jene, die Grenzen überschreiten, die zwischen den Welten wandeln. Denn Brigid war nicht nur eine Göttin des Feuers. Sie war die Flamme, die Wege öffnet.
Brigid, die Göttin der Dichtkunst
Brigids Pfeife war mehr als nur ein magisches Werkzeug – sie war ein Schlüssel. Ein Toröffner zwischen Orten, zwischen Welten. Aber Brigid wäre nicht Brigid, wenn sie sich mit einer einzigen Funktion zufriedengegeben hätte. Also machte sie mit der Pfeife nicht nur Reisen möglich, sondern auch Musik. Erst ein nützliches Tool, dann ein Instrument, das nicht nur Klänge, sondern Geschichten trug. Die Iren wussten, dass Musik mehr war als Unterhaltung – sie war Macht. Wissen wurde nicht einfach aufgeschrieben, sondern gesungen, erzählt, gefühlt. Gedichte wurden zu Melodien, Legenden zu Hymnen, Geschichte zu Liedern, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden.
Brigid, die Heilerin
Brigid die Kriegerin, Brigid die Schmiedin – aber vor allem: Brigid die Heilerin. Man sieht sie oft mit einer Tasche voller Kräuter und Blüten, als würde sie jederzeit bereit sein, Wunden zu versorgen und verlorene Seelen zurück ins Leben zu holen. Ihre Heilkunst war nicht nur eine Gabe, sondern eine Brücke zwischen den Welten – eng verbunden mit Tieren, fließendem Wasser, den heiligen Quellen und Brunnen, die überall dort sprudelten, wo ihre Magie spürbar war.
Wie sie zu dieser Kraft kam? Niemand weiß es genau. Manche sagen, sie habe es inmitten der Schlachten gelernt, als die eigenen Leute fielen und niemand da war, um ihre Wunden zu schließen. Andere schwören, sie trage das Wissen ihrer Ahnen in sich – uralte Weisheit, die mit dem Blut ihrer Vorfahren durch ihre Adern fließt. Vielleicht beides. Vielleicht musste sie erst zerstören, um zu verstehen, wie man heilt.
Symbole und Tiere der Göttin Brigid
Vögel
Der Falke und der Rabe sind eng mit Brigid und dem Fest Imbolc verbunden – zwei Wesen, die den Wechsel der Jahreszeiten ankündigen. Vögel sind Boten des Wandels, sie rufen das Ende des Winters herbei und läuten den Neubeginn ein. Genau zur Zeit von Imbolc beginnen Raben mit dem Nestbau – ein kraftvolles Zeichen für Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und das unaufhaltsame Erwachen des Lebens.
Schlangen
Wenn es um Brigid geht, darf die Schlange nicht fehlen. Sie ist eines ihrer ältesten Symbole – roh, uralt und tief mit der Erde verbunden. Schlangen stehen für Erneuerung, Transformation und den ewigen Kreislauf des Lebens. Die Kelten sahen sie als Zeichen von Brigids Macht, als Hüterinnen des verborgenen Wissens und als Wesen, die zwischen den Welten wandeln.
Schwäne
Anmutig, mystisch und dennoch unberechenbar – Schwäne sind nicht nur wunderschöne Tiere, sie tragen auch eine tiefe spirituelle Bedeutung. In der keltischen Mythologie symbolisieren sie Heilung, Wachstum und Fruchtbarkeit. Die Druiden glaubten, dass Schwäne die Seelen von Reisenden in die Anderswelt führten. In Irland gilt es bis heute als extrem schlechtes Omen, einen Schwan zu töten – wer es tut, riskiert Unheil oder sogar den Tod.
Blumen & Kräuter
Brigid ist die Göttin der Erneuerung, und nichts steht mehr für Neubeginn und Heilung als Kräuter und Blüten. Sie sind Symbole für das Wiedererwachen der Natur und die Kraft, die im Verborgenen ruht und nur darauf wartet, durch die Erde zu brechen.
Schneeglöckchen – Erste Boten des Frühlings
Basilikum – Reinheit und innere Kraft
Heidekraut – Verbindung zur Anderswelt
Engelwurz – Heilung und spirituelle Klarheit
Heilige Bäume
Besonders die Birke wird mit Brigid in Zusammenhang gebracht. Sie ist der Baum des Neubeginns, der Reinigung und der Fruchtbarkeit. Nach einem Waldbrand oder einer Rodung ist die Birke oft der erste Baum, der wieder wächst – ein Symbol für Widerstandskraft und Wiedergeburt. Genau wie Brigid, die Göttin des Lichts, des Feuers und des kommenden Frühlings.
Die Birke gilt auch als Schutzbaum für Kinder und Geburten – und als Schutzgöttin für Schwangere und Neugeborene wacht Brigid über sie. Früher wurden Birkenzweige über die Wiegen gelegt, um Babys vor Unheil zu bewahren. Ihre weiße Rinde steht für Reinheit, Erneuerung und den ersten frischen Atemzug nach dem dunklen Winter.
Hasel Haselsträucher tragen das Wissen der Ahnen und die Weisheit der Anderswelt in sich – wer sie respektiert, hört vielleicht das Flüstern vergangener Zeiten.
Weide Die Weide ist der Baum des Februars, des Imbolc, des Wandels. Sie wächst an Wasserrändern, biegt sich im Sturm, doch sie bricht nicht – pure, weibliche Energie. Ihre Verbindung zum Mond macht sie zu einem Baum der Träume, der Magie und der Intuition. Wer sich mit ihrer Kraft verbindet, öffnet die Tür zu verborgenen Welten.
Eberesche Ein Baum, der sich nicht unterkriegen lässt. Die Eberesche gehört ebenfalls zum Februar und ist ein mächtiges Schutzsymbol. Ihre roten Beeren trotzen dem Winter, ihre Äste wehren Unglück ab. In der keltischen Magie galt sie als Schutzschild gegen das, was nicht sichtbar ist – ein Wächterbaum für Reisende, Seher und jene, die zwischen den Welten wandeln.
Milch
Brigid ist unter anderem auch die Göttin der Landwirtschaft und Beschützerin der Haustiere. Für die Kelten war Milch überlebenswichtig, besonders im Winter, wenn Nahrung und Ernten knapp waren. Milch steht außerdem für Göttlichkeit und Reinheit. Als Milch mit Honig übrigens die perfekte Verbindung Brigid zu Ehren.
Die Ewige Flamme
Brigid wird oft mit flammenrotem Haar dargestellt – als würde das Feuer selbst durch ihre Adern brennen. Sie ist nicht nur eine Feuergöttin, sie ist das Feuer. Glühend, formend, unbezähmbar. Als Göttin der Schmiedekunst trägt sie die Hitze der Esse in sich, und ihre Verehrer wussten das – sie ehrten sie mit Flammen, mit brennenden Symbolen ihrer Kraft.
In Kildare hielten die alten Kelten eine heilige Flamme am Leben. Kein gewöhnliches Feuer, sondern ein ewiges Licht, das Brigids Macht ehrte. Priesterinnen versammelten sich auf einem Hügel, nicht als Zuschauerinnen, sondern als Hüterinnen der Flamme. Sie hielten die Glut am Lodern, baten Brigid um Schutz für die Tiere, um Fruchtbarkeit und eine reiche Ernte. Denn Feuer gibt Leben – und Brigid, in all ihrer brennenden Kraft, war die Göttin, die es entfachte.
Heilige Quellen und Brunnen
Brigid, als Göttin des Wassers, hatte die Kontrolle über Quellen und Flüsse. Zwei ihrer bekanntesten heiligen Quellen befinden sich in Kildare und County Clare in Irland. Wenn ihr wie wir durch Irland fahrt, kommt ihr tatsächlich alle paar Kilometer an einer heiligen Quelle vorbei. Viele davon sind Brigid geweiht.
Umhang und Mantel
Brigid trug einen heilenden Umhang, der alle schützte, die darunter Zuflucht suchten. Einer Legende nach hängte sie ihren Mantel einst auf einen Sonnenstrahl.
Amboss und Schmiedewerkzeuge
Brigid ist die Göttin der Handwerkskunst und der Schmiede. Daher sind ein Amboss oder andere Schmiedewerkzeuge kraftvolle Symbole, um ihre Energie zu repräsentieren. Diese Symbole stehen für Transformation, Stärke und schöpferische Kraft.
Brigids Kreuz
Das Brigid-Kreuz ist eines der bekanntesten Symbole dieser Göttin – schlicht, aber voller Kraft. Es kann mit drei oder vier Armen gefertigt werden, doch egal in welcher Form, seine Bedeutung bleibt dieselbe: Schutz, Segen und Verbindung zu Brigid selbst.
Die Menschen hängten das Brigid-Kreuz über ihre Haustüren und Geschäftseingänge, um sich und ihr Heim zu schützen. Es wurde über die Betten von Babys gelegt, um ihre Gesundheit zu sichern, und selbst in Viehställen angebracht, damit die Tiere gesund blieben. Denn Brigid ist nicht nur Feuer und Wasser – sie ist auch die Göttin, die Leben bewahrt.
Feill-Brìde (oder Féile Bríde auf Irisch) ist der alte gälische Name für das Fest von Brigid – das, was wir heute als Imbolc kennen. In der Nacht zum 1. Februar verbrannte man das alte Brigid-Kreuz im Herdfeuer – ein symbolisches Loslassen des vergangenen Jahres. Danach wurde ein neues Kreuz geflochten, um Brigids Segen für das kommende Jahr zu sichern. Altes Feuer, neues Feuer – genau wie Brigid selbst, die immer wieder erneuert, nährt und schützt.
Brigid, die Heilige
Wer sich mit Brigid beschäftigt, kommt an St. Brigid nicht vorbei. Die Grenze zwischen der Göttin und der Heiligen verschwimmt, ihre Geschichten vermischen sich, als hätte jemand sie ins gleiche Feuer geworfen. War Brigid nun eine unsterbliche Göttin oder eine sterbliche Frau, die zur Heiligen wurde? Die Antwort liegt irgendwo zwischen Mythos und Glaube – und vielleicht ist genau das der Punkt.
Es gibt Ähnlichkeiten, aber auch klare Unterschiede. Die Göttin Brigid war eine Kriegerstochter, ein Mitglied des ersten keltischen Clans in Irland. Eine Gestalt, die tief mit Feuer, Schmiedekunst, Poesie und Fruchtbarkeit verbunden war. Die Heilige St. Brigid hingegen wurde als Tochter eines Druiden und einer Sklavin geboren – beide sterbliche Menschen. Sie war eine Ikone der weiblichen Spiritualität, tief in der kirchlichen Tradition verankert, eine der größten Heiligen Irlands, direkt neben St. Patrick.
Die Göttin war frei, ungezähmt, ihre Magie ungebunden. Die Heilige war Gott geweiht, lebte keusch, heiratete nie. Die eine schmiedete Waffen, die andere Gebete. Die eine gebar Kinder, die andere zog sich in die Spiritualität zurück. Doch beide waren Feuer. Beide inspirierten Generationen.
Selbst ihr Aussehen wird ähnlich beschrieben: rötlich-braunes Haar, blasse Haut. Doch während St. Brigid in einer langen weißen Robe mit grünem Umhang dargestellt wurde – ein Symbol für ihre Hingabe an Gott –, trug die heidnische Brigid einfache, traditionelle Gewänder der irischen Clans. Kein Heiligenschein, kein Kreuz – nur das Feuer in ihren Adern.
Trotz all dieser Unterschiede hat sich eines nicht geändert: Brigid inspiriert. Egal, ob als Göttin oder als Heilige. Manche verehren sie noch heute am 1. Februar – nicht als Entweder-oder, sondern als beides. Als Feuer und Erde. Als Mythos und Geschichte. Als Göttin, die sich nicht einfangen lässt.
Was kannst du tun, um Brigid zu ehren
Wenn du dich noch nie mit Götterarbeit beschäftigt hast, dann lies gerne mal den Artikel von Geo zum Thema: Götterarbeit, so geht’s. Ansonsten sind Götter immer dankbar, wenn du ihnen eines schenkst: deine Zeit.
- Anfang Februar einen langen Spaziergang in der Natur machen, und dich daran erfreuen, wie das Leben langsam zurückkehrt.
- Deinen Altar schmücken z.B. mit Schneeglöckchen, Brigids Kreuz, Selenit, Pyrit, Citrin, Serpentin und einer weißen Kerze.
- Milch mit Honig trinken
- Eine Schale mit Wasser mit einer Münze drin
- Birkenrinde, ein kleiner Ast von einem Haselstrauch oder einer Weide
- Bild von einem Schwan
- Ein Stück selbst gebackenes Brot
Manchmal gibt es in dieser durchgetakteten, lauten Welt nichts, was wir mehr brauchen als einen verdammten Funken Inspiration. Brigid bringt das Heilige Feuer mit – und wenn du es zulässt, kann sie dir den Weg leuchten, indem sie dir zeigt, wer du wirklich bist, roh und unverfälscht. Sie flüstert dir in deinen Träumen zu, taucht in deinen tiefsten Sehnsüchten auf und wird zu deiner Muse, wenn du feststeckst und dein kreativer Fluss einfach nicht in Gang kommen will. Also, wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, im Dunkeln zu stehen, wenn Zweifel nagen oder deine Kreativität verdammt nochmal nicht ins Rollen kommt – dann denk an Brigid. An ihr Feuer, das niemals erlischt. An die Flamme in dir, die nur darauf wartet, neu entfacht zu werden. Denn manchmal reicht schon ein einziger Funke, um die Nacht zu durchbrechen.
Foto von Simon Berger auf Unsplash